Entwicklung und soziale Beziehungen, Prävention und Sozialpsychiatrie

Der CHIMPS-NET Verbund

Kinder psychisch kranker Eltern gelten als „vergessene Risikogruppe“. Die psychische Erkrankung eines Elternteils stellt eine enorme Herausforderung für die gesamte Familie dar. Kinder und Jugendliche aus diesen Familien haben ein mehrfach erhöhtes Risiko selbst zu erkranken, werden aber nur selten klinisch gesehen.

Aus diesem Grund wurde der CHIMPS-NET Verbund ins Leben gerufen: Er hat das Ziel, die Versorgungssituation der Kindern und Jugendlichen und ihrer psychisch kranken Eltern nachhaltig zu verbessern. Im Rahmen einer bundesweiten Studie sollen an 21 klinischen Standorten vier neue Versorgungsformen für Familien mit einem psychisch kranken Elternteil eingeführt werden. Weiterhin stärkt der Verbund die Vernetzung der die Familien unterstützenden Institutionen (wie beispielsweise Kliniken oder der Jugendhilfe).

Die Universitätsmedizin Rostock ist Teil des CHIMPS-NET-Verbundes. Die Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, die Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin und die Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter kooperieren bei der Einführung der neuen Versorgungsmodelle.

Die CHIMPS-NET Studie

Mit der CHIMPS-NET Studie sollen Familien bei der Krankheitsbewältigung unterstützt und positive  Familienbeziehungen gestärkt werden. Entwickelt wurde das Programm in der Arbeitsgruppe von Prof. Wiegand-Grefe am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Kinder und Jugendlichen in Familien mit einem psychisch kranken Elternteil haben sehr unterschiedliche Ausgangslagen. Ein Teil der  Kinder ist belastet, aber symptomatisch nicht auffällig, andere sind im Grenzbereich zur Auffälligkeit. Bei einigen kann sich die Belastung durch die Erkrankung der Eltern bereits in eigenen psychischen Symptomen widerspiegeln. Daraus ergibt sich die Herausforderung, die individuelle Situation jeder Familie zu erfassen und anschließend möglichst passgenaue Hilfe anzubieten.

Im Rahmen der CHIMPS-NET Studie werden vier unterschiedliche neue Versorgungsmodelle eingeführt:
 

Gesunde Kinder und Jugendliche und deren Familien erhalten eine kurze Präventionsmaßnahme mit drei Sitzungen
 

Stark belastete Familien mit psychisch belasteten Kinder und Jugendliche, die bereits eigene Symptome zeigen, können gemeinsam an einer familienorientierten Therapie bei einem Psychotherapeuten teilnehmen

Psychisch belasteten Kindern und Jugendlichen wird eine längere Prävention über 8 Sitzungen in Familiengruppen angeboten

Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren können an iCHIMPS, einer Online-Interventionmit therapeutischer Begleitung, teilnehmen
 

Die Einführung der neuen Versorgungsformen findet zunächst an 21, in ganz Deutschland verteilten Standorten statt und wird wissenschaftlich begleitet. Bei nachgewiesenem Erfolg sollen die neuen Versorgungsformen in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen werden. Das Forschungsvorhaben wird durch den Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert.

Weitere Informationen zur Studie und Ansprechpartner*innen für den Standort Rostock finden Sie in unserem Flyer. Ausführliche Informationen zum CHIMPS-NET Verbund und der CHIMPS-NET Studie finden Sie auf der zentralen Projekt-Homepage.

Sie sind an einer Studienteilnahme interessiert?

Das CHIMPS-NET-Projekt richtet sich an alle Familien mit mindestens einem psychisch erkrankten Elternteil und mindestens einem Kind von 3 bis 18 Jahren. Das Kind oder die Kinder sollte/n im Haushalt der Eltern leben oder regelmäßigen Kontakt (mindestens 14-tägig) zum erkrankten Elternteil haben. Der psychisch erkrankte Elternteil muss sich im letzten halben Jahr in psychiatrischer Behandlung befunden haben (z.B. stationärer Aufenthalt oder Termin(e) bei einem/einer niedergelassenen Psychiater*in). Auch Alleinerziehende können teilnehmen.

Wenn Sie und Ihre Familie sich für eine Teilnahme an der Studie interessieren oder Fragen haben, schreiben Sie uns gerne eine Mail  oder wenden Sie sich direkt an unsere Studienmitarbeiterin Lena Lincke   0381 / 494 4613.


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